Frontbericht

Der Sohn ist ein alter Tunichtgut. Das ist ein alter, von meiner Oma stammender, Ausdruck für kleine und größere Jungs, die (fast) nur Dummheiten im Kopf haben; wie der Namen eben schon sagt.

Sitzt Lias in der Wanne, entsorgt er erstmal sämtliches Spielzeug über den Rand, um sich im Anschluss all jenen Dingen zuzuwenden, die ihn eigentlich nichts angehen: Er angelt sich von irgendwoher vergessene Rasierer, lutscht an Shampooflaschen und haut mit Karacho an den neben ihm hängenden Spiegel. Und während andere Kinder sich freuen, wenn sie am Waschlappen saugen können, braucht Werni den nur, um ihn klatschnass durchs Bad zu pfeffern. Ohnehin verbringt er die meiste Badezeit damit, sich am Wannenrand hochzuziehen und zu versuchen rauszusteigen.

Sind wir beim Babyschwimmen, kann ich sicher sein, dass alle kleinen Schwimmschüler das tun, was von ihnen verlangt wird: ein bisschen auf dem Rücken schwimmen und die Füße aneinander halten, aufeinander zu schwimmen und die anderen freundlich begrüßen/an die Hand fassen usw. Alle, bis auf einen. Beim Rückenschwimmen krallt er sich entweder an die Träger meiner Badetrikotagen und/oder haut mit der freien Hand aufs Wasser, dass es nur so klatscht. Soll er brustschwimmen, um die Rückenmuskeln zu trainieren, ditscht er absichtlich mit dem Gesicht vornüber ins Wasser, um anschliessend vorwurfsvoll husten und geräuschvoll aufstossen zu können. Und wenn alle anderen nach den Enten, Walfischen und Ringen im Wasser paddeln, strebt Lias auf kürzestem Weg dem Beckenrand zu, um sich dort festzuklammern. Nicht, weil er vor irgendwas Angst hat, sondern weil er's cool findet, da rumzuhängen und unter Wasser mit den Beinen zu wedeln.

Zu Hause ist aber alles noch viel, äh, interessanter. Da werden neuerdings Schubladen ausgeräumt, CDs sortiert (und danach aneinander geknallt), Kakteen inspiziert, Glühlampen (gefunden in einer der Schubladen) an die Wand gehauen und ALLES (und ALLES heisst ALLES) runtergeschmissen. Und das Schlimmste ist, dass Werni sich nun an allem hochzieht (und gelegentlich damit um- oder drüber fällt) und ausserdem anfängt, sein BobbyCar überall ranzurammen.

Sagte ich, das wäre das Schlimmste? Stimmt gar nicht, ESSEN ist manchmal noch schlimmer. Ich habe seit 10 Tagen Fruchtbrei im Kaktus, weil der Sohn allein löffeln wollte. Hinterm Fernseher hab ich das Zeuch noch weggekriegt, aber zwischen den Kaktusstacheln geht das nicht raus … Nur, wenn ICH gefüttert werden soll, ist es noch dramatischer. Ich melde mich bald wieder von der Front.

Verfasst von jenni am Freitag, dem 16. Januar 2009 um 20:46 Uhr, letzte Änderung am Freitag, dem 16. Januar 2009 um 21:14 Uhr.

ein Leserbrief

die berlinerin

Re: Frontbericht

fruchtbrei im kaktus... mmhhh... die lösung: nur noch großblättrige pflanzen kaufen und die dann abduschen nach etwaigen malheuren. es freut sich über solche detailierten beschreibungen des familienlebens,
eure berlinerin

autor: die berlinerin — 2009-01-18 11:58:52
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