Otti im Pech
Die Kinder und ich bei den Omas auf dem Dorf: Traktoren stehen hinterm Gartentor, ein Planschbecken im Garten, und in der Küche kann man Töpfe sortieren und Gewürzdosen auskippen. Also alles bestens fürs Enkelkind.
Der Enkelhund dagegen hatte es heute morgen schon ganz besonders schwer. Während der Dackel, weil er seinen haarigen Mund besser halten kann, bei Lias und mir im Zimmer schläft, darf Otti die Nächte bei den Großeltern verbringen, weil er da nicht so oft bellen muss; das Schlafzimmer liegt unterm Dach, und so weit oben hört er nicht so viele Einbrecher kommen und gehen.
Jeden morgen gibt es daher eine enorm herzliche Familienzusammenführung, wenn Ott die Treppe herunter- und Peb diese hinaufstürmt; heute jedoch waren die Mädels noch nicht wach, und Otis landete in Uromas Küche, wo gerade DER KATER FRASS!
Das Folgende spielt sich innerhalb weniger Sekunden ab: Kater bemerkt Hund und besteht kurz darauf fast nur noch aus gesträubtem Schwanz, rührt sich aber nicht vom Fleck. Hund legt sich flach auf den Boden, bellt zweimal ausdrucksstark, rührt sich aber auch nicht vom Fleck. Oma tritt, dem Infarkt nahe, dazwischen, handelt blitzschnell und geistesgegenwärtig: schmeisst Otis raus –Spuk vorbei!
Nach einer Stunde hat sich mein Großer soweit erholt, dass wir joggen gehen können, doch schon nach wenigen Minuten wird klar, dass das heute einfach nicht sein Tag ist. Kurz vorm Waldesrand treffen wir Jule und ihr 80-jähriges Herrchen; Jule hatte sich schon früher immer auf Titus gestürzt, und der war ja nun wirklich ein Blümchen. Otis fand sie anfangs eigentlich okay, doch seit einiger Zeit macht sie auch ihn meistens zur Minna, wenn wir ihr über den Weg laufen. Heute war sie offenbar besonders schlecht drauf: Kaum hatte sie das Ott erblickt, musste sie ihn quer übers Feld jagen und sich sofort auf ihn stürzen. Was folgte, war der wildeste Zweikampf, den man hier auf dem Lande je sah – und doch war Otis von Anfang an klar unterlegen: Er jaulte und fiepte gar bitterlich. Jule jedoch ließ sich mehrfach von Herrchen bitten, bevor sie von ihm abließ ...
Otis hat also eine ganze Menge Stress abzubauen, was er auch mit sehr viel Elan bereits den ganzen Tag zelebriert: Schlafen, Schlafen, Schlafen.
Gute Nacht!