heimlich.lillack.de

Bei uns zu Hause sieht‘s aus wie im Blumenladen.

Das liegt daran, dass ich am Samstag unglaublich viele unglaublich schöne Blumensträuße bekommen habe. Was eigentlich ein wenig verwunderlich ist, wenn man bedenkt, wie sich meine sozialen Kontakte in letzter Zeit reduziert hatten. Ich hatte mehrfach den Eindruck, irgendwas ganz schlimm falsch gemacht haben zu müssen, da sich neben meinen besten Freunden nicht mal mehr meine Mutter meldete; zumindest sehr viel weniger, als gewohnt.

Einerseits war mir das ganz recht, weil ich große Schwierigkeiten hatte, das Geheimnis für mich zu behalten (doch! Ich kann normalerweise sehr gut Geheimnisse behalten.), und immer, wenn ich jemanden traf, wollte ich ganz dringend wenigstens erwähnen dürfen, dass ich im Moment noch mehr durcheinander sei als sonst, weil ich doch heiraten würde, und keiner weiss es, damit im Standesamt nicht alle heulen müssen, und ausserdem gibt es auch keine Feier, weil kein Geld und keine Zeit und zu viele Kinder und überhaupt, die Nerven, Sie wissen schon.

Andererseits war ich ein wenig verwirrt. Wo waren die Freunde hin? Hatten die auf einmal alle Prüfung? Und die Oma? Wollte die nicht in den Zoo mit uns? Unauffällig waren nur die, die ich ohnehin nur 2x im Jahr sehe :-)

Dummerweise konnte ich so aber auch niemanden fragen, ob er mal bitte zwei Kinder zum Aufpassen haben möchte, damit ich irgendwoher ein Kleid organisieren kann. Oder zum Friseur. Masseur. Wie auch immer.

Wir kommen zum Punkt: Ich habe mich nicht verplappert. Ich wurde gefragt. Frollein Hengst sprach mich etwa zwei Wochen vor Stichtag direkt darauf an, ob bei uns "irgendsowas geplant" sei. Na, und ich schwindel doch nicht. Ausserdem erschien mir die Wahrscheinlichkeit, dass die Nachricht den Weg zu Familie und Freunden finden würde, sehr gering. Und ja –ich wollte (ich musste!) es jemandem sagen. Aber dann war auch gut, und ich hab mich beruhigt.

Offenbar muss ich aber einen dermaßen traurigen Eindruck gemacht haben, dass Christine dachte, die arme Frau können wir nicht ohne Party unter die Haube schaffen; und von da an ging -wie ich jetzt weiss– alles sehr schnell.

Der Freund wurde kontaktiert, um die Kontaktdaten rauszurücken, mit dem Rest hatte er, soviel ich verstanden habe, schon kaum noch was zu tun. Die engste Familie hatte Pech, engste Familie zu sein, denn die hatte die wichtigsten & zeitaufwändigsten Aufgaben; Juli hatte sich gottlob rechtzeitig nach Belgien abgesetzt und musste nur noch dafür sorgen, als Gast persönlich zu erscheinen.

Der Mann mit der organisatorisch zweitwichtigsten Aufgabe (danke, Max) bastelte im Handumdrehen eine Homepage, auf der in den folgenden Tagen sich alle über die bestmögliche Jenniüberraschung austauschen, beraten & amüsieren konnten –während diese sich sorgte, wie sie das alles ihrer Oma beibringen sollte.

Zur gleichen Zeit wurden alle potentiellen Gäste per Anruf oder sms (danke, Konni) über das bevorstehende Ereignis informiert -da wäre ich ja zu gern dabei gewesen! Ich wunderte mich währenddessen lediglich, wie Christine auf die Idee kam, mit mir ein Kleid kaufen zu wollen. Und dann gleich noch eins; das war ja nun wirklich etwas übertrieben!

Zwei Wochen vorher trafen wir uns zum Brunch in so einem relativ neu eröffneten Café: " Der Typ vom Froschcafé hat das jetzt, da isses schön, lass uns da mal hingucken." Klar, Brunch ist immer nett, und Rob wollte sogar mit; dem Sohn gefiel es im Garten –und der Besitzer schien meinen Freund zu kennen. Angeblich wäre der letzte Woche schon mal hier gewesen. Aber nein, ein Irrtum; das konnte ja nun echt nicht sein!

Patzer dieser Art passierten häufiger, aber wenn man überhaupt nicht mit irgendetwas dieser Art rechnet, checkt man nur sehr langsam. Jedenfalls ich.

Durch einen blöden Zufall musste beispielsweise auch mein Zahnarzt ganz kurzfristig unseren Samstagstermin absagen, und Anja wollte mir permanent die Haare fürs Wochenende schön machen –Ich fand das sehr reizend, aber nur, um zu Oma aufs Dorf zu fahren…?

Für den Freitag sah ich ganz nett aus, und ein Kleid hatten Tine und ich inzwischen auch erbeutet; die Trauzeugen hatten den Weg in die Provinz gefunden (danke, Jana & Tim, danke, Steffen) –es konnte also losgehen. Trotz des sehr kleinen Rahmens waren die Brautleute mächtig aufgeregt und hatten die vergangenen Tage kaum schlafen können; die Kinder dagegen: ungemein lässig und entspannt. Lias bot der Standesbeamtin während der Zeremonie die ganze Zeit Dinkelstangen an, und Liv beguckte sich das Ganze erst von Janas und später von meinem Schoß. Nach angenehmen 40 Minuten war die Sache erledigt, wir gingen im Zoo essen und Eisenbahn fahren, und ich fand, dass das doch eine nette Feier war.

Blieb nur noch die Sorge um "wie bringe ich das den Eltern und Freunden bei?" Dass diese ja total unbegründet war, weil alle! schon längst alles! wussten, erfuhr ich dann am nächsten Tag. Mir bleibt heute noch fast das Herz stehen, wenn ich an diesen Moment denke. Immerhin blieben mir bis zur kleinen Feierlichkeit (alles hab ich natürlich bis zum Schluss nicht erfahren) noch wenige Stunden; ich musste erstmal dringend rennen gehen, um der Hysterie zu entgehen. Nach und nach regte ich mich langsam wieder ab, versuchte, mich zu entspannen, ein neues Kleid zu finden (alles häßlich. ich häßlich. Freund, äh, Mann, ich bleibe zu Hause!) und mich zu betrinken.

Klappte alles nur bedingt, und als kurz darauf dieser 100 Jahre alte Jaguar vor der Tür stand, war ohnehin klar, dass es mit der "kleinen Feierlichkeit" nichts werden würde…

Ich war noch nie so furchtbar schön aufgeregt und hab mich noch nie so furchtbar schön gefreut –danke an alle, es war großartig!

Verfasst von jenni am Montag, dem 11. Oktober 2010 um 15:12 Uhr.

ein Leserbrief

jubö

Re: heimlich.lillack.de

ich wär so gern dabei gewesen :-(
aber holen das nächste woche am ende oder am anfand darauf nach!

autor: jubö — 2010-10-13 08:47:32
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